Top 10Publikationendes Jahres 2025

Jedes Jahr stellt das Wuppertal Institut die zehn wichtigsten referierten Publikationen des vergangenen Jahres vor. Mit dieser Auswahl aus 2025 möchte das Institut zentrale wissenschaftliche Beiträge seiner Mitarbeiter*innen hervorheben und einen Einblick in den Stand seiner international wahrgenommenen Forschung geben. 
Aus dem Themenbereich Klima-, Energie- und Ressourcenwende wurden fünf Artikel aus 2025 ausgewählt, aus dem Bereich Konsument*innenverhalten zwei Artikel sowie drei Artikel aus dem Bereich Forschungsmethoden. Alle Artikel sind über die unten stehenden Links abrufbar.

Klima-, Energie- und Ressourcenwende

Compounding injustices can impede a just energy transition; in: Nature Energy

In kohleintensiven Regionen ist eine gerechte Energiewende besonders entscheidend, um den Klimawandel zu bewältigen und den sozialen Zusammenhalt in Europa zu sichern. In ihrem Artikel "Compounding injustices can impede a just energy transition" in Nature Energy analysieren Dr. Lukas Hermwille, Co-Leiter des Forschungsbereichs Transformative Industriepolitik, und Max Schulze-Steinen aus dem Forschungsbereich Internationale Klimapolitik zusammen mit weiteren Forschenden, wie tief verwurzelte historische "Ungerechtigkeits-Altlasten" sich mit neuen Ungerechtigkeiten der Transformation überlappen und gegenseitig verstärken – und dadurch einen gerechten Strukturwandel massiv erschweren.

Die Autor*innen argumentieren, dass rein finanzielle Ausgleichsmechanismen häufig zu kurz greifen. Mit Hilfe des Konzepts sich verstärkender Ungerechtigkeiten ("compounding injustices") zeigen sie, dass fehlende prozedurale Teilhabe und mangelnde Anerkennung regionaler Identitäten Transformationsprozesse zusätzlich belasten. Auf Basis empirischer Analysen – unter anderem im Kontext europäischer Transformationsregionen – entwickeln sie institutionelle Reformvorschläge, darunter ein europäisches "Just Transition"-Monitoring.

Energy and socioeconomic system transformation through a decade of IPCC-assessed scenarios; in: Nature Climate Change

Die Darstellung künftiger Emissionspfade ist ein zentraler Bestandteil der Sachstandsberichte des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC). Im Artikel "Energy and socioeconomic system transformation through a decade of IPCC-assessed scenarios", der in Nature Climate Change veröffentlicht wurde, vergleichen Forschende mehrere IPCC-Berichte miteinander. Sie analysieren die Entwicklung der berücksichtigten Szenarien über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Seitens des Wuppertal Instituts untersuchten Dr. Lukas Hermwille, Co-Leiter des Forschungsbereichs Transformative Industriepolitik, und Wolfgang Obergassel, Co-Leiter des Forschungsbereichs Internationale Klimapolitik, gemeinsam mit elf weiteren Wissenschaftler*innen die vom IPCC erfassten Entwicklungen und Veränderungen. Dabei betrachten sie Energie- und sozioökonomische Systeme der vergangenen zehn Jahre. Die systematische Auswertung des fünften und sechsten IPCC-Sachstandsberichts sowie des 1,5-Grad-Sonderberichts zeigt: Referenzszenarien ohne spezifische Klimaschutzmaßnahmen weisen in neueren Berichten durchweg geringere CO2-Emissionen aus. Als zentrale Treiber identifizieren die Autor*innen sinkende Kosten bei CO2-armen Technologien, veränderte Annahmen zum Wirtschaftswachstum und strukturelle Verschiebungen in Energie- und Industriesystemen.

Providing the transport sector in Europe with fossil free energy – a model-based analysis under consideration of the MENA region; in: Frontiers in Energy Research

Der Verkehrssektor steht vor massiven Herausforderungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen. Neben Vermeidung und Verlagerung von Verkehr sind auch synthetische Kraftstoffe eine Option, insbesondere für Lkw und Flugzeuge. Aber ihre Herstellung ist energieintensiv und mit Investitionsrisiken in den Exportländern verbunden.

Im Artikel "Providing the transport sector in Europe with fossil free energy – a model-based analysis under consideration of the MENA region" betrachten Christine Krüger, Dr. Larissa Doré, Tomke Janßen, Mathieu Saurat und PD. Dr. Peter Viebahn, alles Forschende aus der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme, Szenarien für die Produktion und den Export synthetischer Kraftstoffe in der MENA-Region. Die Ergebnisse zeigen: Importe aus der MENA-Region sind für Europa zwar eine wirtschaftlich attraktive Option – unter Berücksichtigung der Investitionsrisiken zeigt sich jedoch, dass die höheren Erzeugungskosten in Europa bis zu einem gewissen Grad durch die geringeren Investitionsrisiken aufgewogen würden. Die Studie liefert damit wichtige strategische Impulse für die europäische Energie- und Außenpolitik.

The potential of international institutions to foster transitions: the example of the Global Stocktake under the Paris Agreement; in: Environmental Innovations and Societal Transitions

Seit drei Jahrzehnten ringt die Weltgemeinschaften jedes Jahr auf der COP um Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel, trotzdem steigen die Emissionen immer weiter an. Daraus ergibt sich die Frage: Wie zielführend ist globale Klimapolitik – und welchen Einfluss haben internationale Institutionen auf die Entwicklung der Emissionen? Das untersuchen Wolfgang Obergassel und Christiane Beuermann, beide Co-Leitungen des Forschungsbereichs Internationale Klimapolitik, zusammen mit Dr. Carsten Elsner aus dem Forschungsbereich Transformative Industriepolitik sowie weiteren Forschenden am Beispiel des Global Stocktake (GST) im Artikel "The potential of international institutions to foster transitions: the example of the Global Stocktake under the Paris Agreement". Der Artikel ist im Journal Environmental Innovations and Societal Transitions erschienen.

Die Autor*innen nutzen einen interdisziplinären Rahmen aus fünf Governance-Funktionen und gleichen diesen mit den Ergebnissen des ersten GST ab, der Ende 2023 auf der COP28 in Dubai abgeschlossen wurde. Das Fazit ist differenziert: Während der GST-Prozess erfolgreich wichtige Orientierungssignale vermittelte, wie die Abkehr von fossilen Brennstoffen, fehlen weiterhin verbindliche Regeln und finanzielle Ressourcen für die Umsetzung.

We have to talk! Claims of early career researchers to transform circular economy research; in: Resources, Conservation and Recycling 

Im Journal Resources, Conservation and Recycling fordern Alexa Böckel aus der Abteilung Kreislaufwirtschaft und Konrad Schoch aus der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren einen fundamentalen systemischen Wandel in der Kreislaufwirtschaftsforschung: In ihrer Analyse im Artikel "We have to talk! Claims of early career researchers to transform circular economy research" plädieren sie für einen reflektierten, engagierteren und interdisziplinäreren Ansatz in der Kreislaufwirtschaftsforschung – und kritisieren unter anderem Machtasymmetrien, disziplinäre Fragmentierung und das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Neutralität und normativer Orientierung. Die Autor*innen schlagen vor, die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft auch auf das Wissenschaftssystem selbst zu übertragen, um reflexive und transformative Forschungsansätze zu stärken.


Konsument*innenverhalten

The influence of a hypothetical eco-score on purchase decisions: Empirical evidence on consumer preferences and consumer segments for mobile phones; in: Cleaner and Responsible Consumption

Im Artikel "The influence of a hypothetical eco-score on purchase decisions: Empirical evidence on consumer preferences and consumer segments for mobile phones" untersucht Dr. Kathleen Jacobs aus der Abteilung Kreislaufwirtschaft mit zwei Co-Autor*innen die Effekte einer mehrstufigen Eco-Score-Kennzeichnung für Mobiltelefone auf das Konsumverhalten. Dazu nutzten die Forschenden die Methoden adaptive wahlbasierte Conjointanalyse und Clusteranalyse.

Die Ergebnisse zeigen: Eco-Scores beeinflussen Kaufentscheidungen signifikant positiv. Zwei der vier identifizierten Konsumentengruppen weisen besonders starke Präferenzen für höhere Öko-Scores auf – was auf ungenutztes Marktpotenzial für nachhaltige Mobiltelefone hindeutet. Die Studie liefert differenzierte Erkenntnisse zur relativen Wichtigkeit von Attributen wie Preis, Marke und Umweltleistung. Damit bietet sie Anknüpfungspunkte für die Ausgestaltung europäischer Produktpolitik. Der Beitrag ist im Journal Cleaner and Responsible Consumption erschienen.

Feasibility of sufficiency-policy instruments: an assessment using impact chains for the German mobility sector; in: Sustainability: Science, Practice and Policy

Der Verkehrssektor ist weit davon entfernt, die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Eine schnelle Dekarbonisierung erfordert nicht nur den Austausch von Kraftstoffen, sondern auch Energieeinsparungen durch Verkehrsverlagerung und Nachfragereduktion – Kernziele von Suffizienzpolitik im Verkehrsbereich.

Im Artikel "Feasibility of sufficiency-policy instruments: an assessment using impact chains for the German mobility sector" analysiert Dr. Johannes Thema aus dem Forschungsbereich Energiepolitik zusammen mit weiteren Autor*innen politische Suffizienzpolitik-Instrumente für den Verkehrsbereich auf ihre Umsetzbarkeit hin. Dazu haben die Forschenden für 83 Politikinstrumente aus dem Verkehrsbereich Wirkketten aufgestellt, mit Expter*innen-Interviews validiert und ausgewertet, vom Stimulus über Aktivität, Output und Outcome bis hin zum Impact.

Die Ergebnisse zeigen: Instrumente mit vielen unterstützenden Faktoren sind tendenziell auch mit zahlreichen Barrieren und Risiken verbunden, was insbesondere auf breit angelegte Maßnahmen zutrifft. Die geringsten Risiken bestehen bei Ziele in den Bereichen "Förderung aktiver Mobilität" und "Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs", da sie wenig kosten-, material- und arbeitsintensiv sind. Die Analyse kann Grundlage sein für faktenbasierte, konstruktive Diskussionen über die politische Machbarkeit: Entscheidungsträger*innen können damit auch sehr unterschiedliche Politikinstrumente miteinander vergleichen, etwa anhand des mit ihnen verbundenen Aufwands oder der unterstützenden und behindernden Faktoren. Der Artikel ist im Journal Sustainability: Science, Practice and Policy erschienen.


Forschungsmethoden

Breaking down societal challenges: an exploration of relations between problems and solutions in mission-oriented policies; in: Science and Public Policy

Missionsorientierte Politiken sollen Innovationen auf konkrete gesellschaftliche Ziele ausrichten – aber oft fehlt ein Ansatz, um komplexe Herausforderungen in handhabbare Teilprobleme zu gliedern.

Im Artikel "Breaking down societal challenges: an exploration of relations between problems and solutions in mission-oriented policies"  stellt Daniel Wurm aus der Abteilung Kreislaufwirtschaft gemeinsam mit einem Kollegen des Fraunhofer ISI mit dem "Mission Firmament" einen neuartigen analytischen Rahmen vor: Das Tool ermöglicht es, die Beziehungen zwischen gesellschaftlichen Problemen und Lösungen systematisch abzubilden – und so strategische Hebelpunkte zu identifizieren. Am Beispiel der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie erläutern die Autoren ihr Modell. Der Artikel ist in der Fachzeitschrift Science and Public Policy erschienen. 

Analyzing sectoral policies for deep decarbonization: the case of national freight transportation; in: Climate Policy

In der Zeitschrift Climate Policy stellen Maria Rosa Munoz Barriga aus dem Forschungsbereich UN-Habitat Collaborating Center als Teil eines internationalen Teams im Artikel "Analyzing sectoral policies for deep decarbonization: the case of national freight transportation" einen neuen Analyseansatz vor. Der Ansatz adressiert das Problem fragmentierter nationaler Strategien zur Dekarbonisierung des Güterverkehrs sowie die Unterschätzung der systemischen Komplexität dieser Strategien. Der Rahmen integriert Expert*innenbewertungen und systemische Transformationsanforderungen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass isolierte ökonomische Instrumente nicht ausreichen und insbesondere infrastrukturelle Planung stärker berücksichtigt werden muss. Die Studie bietet damit eine praxisnahe Orientierung für ambitioniertere nationale Verkehrsstrategien.

How social entrepreneurs search for knowledge to solve complex social problems – An empirically based model and typology; in: Journal of Business Research

Social Entrepreneurs leisten wesentliche Beiträge zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Bisher ist aber noch unzureichend verstanden worden, wie sie dabei mit der Komplexität der sozialen Probleme umgehen. Im Artikel "How social entrepreneurs search for knowledge to solve complex social problems – An empirically based model and typology" entwickelt Dr. Katrin Eling, wissenschaftliche Referentin strategische Themenfeldentwicklung, gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftlern ein Modell sozialunternehmerischer Problemlösung auf individueller Ebene.

Basierend auf Interviews mit Gründer*innen aus Deutschland und Äthiopien identifiziert die Studie drei Typen von Changemakern – und zeigt, wie normative Leitmotive als mentaler Kompass fungieren. Die Studie trägt zur Weiterentwicklung von Innovations- und Entrepreneurship-Theorien im Kontext gesellschaftlicher Transformation bei. Der Artikel ist im Journal of Business Research erschienen.


Weitere Top Ten

Die jährliche Auswahl der wichtigen wissenschaftlichen Publikationen ist hier für die folgenden Jahre verfügbar:

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