Wie können die Städte ihren Ressourcenverbrauch und ihre Treibhausgasemissionen in den nächsten vier Jahrzehnten um den Faktor 10 verringern? Und: Wer kann dafür etwas tun? Diesen beiden zentralen Fragen geht das seit Frühjahr 2010 am Wuppertal Institut eingerichtete Promotionskolleg "Nachhaltigkeitsszenarien und zukunftsfähige Stadtentwicklung" nach. Mehrere Nachwuchswissenschaftler/-innen forschen dazu. Ihre Dissertationsvorhaben befassen sich mit Nachhaltigkeitsfragen des Städtebaus, des Stadtverkehrs und der städtischen Energieversorgung.
Leitidee des Promotionskollegs ist die Hypothese, dass die Anforderungen, die der Klimawandel (Mitigation & Adaptation) und die zunehmende Verknappung fossiler Energieträger mit sich bringen, zu strukturellen Veränderungen in bisher kaum vorstellbaren Größenordungen führen werden. Vieles davon spielt sich im Kontext der Stadtentwicklung ab.
Bis 2050 müssen beispielsweise die Kohlendioxidemissionen in Deutschland um mindestens 80-95 Prozent im Vergleich zum Ausgangsniveau von 1990 reduziert werden. Zudem ist davon auszugehen, dass das Maximum der weltweiten Erdölförderung in den nächsten fünf bis zehn Jahren überschritten sein könnte - oder möglicherweise schon überschritten wurde. Ähnliche Verknappungstendenzen ergeben sich auch bei anderen Ressourcen. Ihre Nutzung setzt die Umwelt zunehmend unter Druck und führt zu globalen Verwerfungen. Aus Klimaschutzerfordernissen und Ressourcenverknappung ergibt sich die Notwendigkeit, die gesellschaftliche Entwicklung von einem fossil-zentralen auf einen solar-dezentralen Entwicklungspfad umzugestalten. Kernbegriffe für diese Aufgabe lauten "Kurswechsel" und "Transformationsprozess".
Bisher ist wenig erforscht, was dieser Umbruch für die Menschen vor Ort bedeutet und wie diese nach Qualität und Quantität grundlegende und weit reichende Veränderung von den gesellschaftlichen Akteuren in den Städten gestaltet werden kann. Die Leitfrage dafür lautet: Wer kann dafür was tun? Auch bei der Stadtentwicklung gibt es dazu bisher kaum Analysen und ganzheitliche Konzepte. Hier setzt das Promotionskolleg an. Erarbeitet werden derzeit folgende Dissertationsvorhaben: - Systembedingungen der technischen Infrastruktur im Wandel: Transition Scenarios bis 2050 am Beispiel Wuppertal-Vohwinkel;
Bearbeitung: Marie Gröne, Geographin; gefördert mit Mitteln der Vera und Georg Spahn-Stiftung - Bürgertickets - ein neuer Ansatz im ÖPNV-Marketing am Beispiel Wuppertal;
Bearbeitung: Gregor Waluga, Geograph; gefördert mit Mitteln der Vera und Georg Spahn-Stiftung - Einsatzmöglichkeiten von Pedelecs und Elektrofahrrädern als CO2-emissionsfreie Stadtverkehrsmittel am Beispiel Wuppertal;
Bearbeitung: Frederic Rudolph, Raumplaner; gefördert mit Mitteln der Vera und Georg Spahn-Stiftung - Aktivierung der Dachlandschaft als Beitrag für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung am Beispiel Wuppertal-Vohwinkel;
Bearbeitung: Stefan Wernersbach, Raumplaner; gefördert mit Mitteln der Vera und Georg Spahn-Stiftung - Urban Mining Governance - Bauwerke und Infrastrukturen als sekundäre Rohstoffquelle am Beispiel Wuppertal;
Bearbeitung: Rainer Lucas, Ökonom; gefördert mit Mitteln des Vereins der Freunde und Förderer des Wuppertal Instituts
Diese fünf Dissertationsvorhaben werden in dem Promotionskolleg in einem interdisziplinären und integrativen Ansatz am Beispiel der Stadtregion Wuppertal bearbeitet. Dabei werden die generellen Fragen des Promotionskollegs aufgegriffen und spezifisch im Zusammenhang der jeweiligen Themen erforscht. Zusätzlich sind weitere Dissertationsvorhaben mit anderen Bezugsräumen beteiligt: - Handlungsmöglichkeiten, Umsetzung und Erfolgsbedingungen kommunaler Politik zum Ausbau erneuerbarer Energien: Good-Practice-Beispiele im Vergleich;
Bearbeitung: Philipp Schönberger, Politikwissenschaftler; gefördert mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt - Die politische Ökologie städtischer Infrastrukturen im Bereich Abfallmanagement;
Bearbeitung: Henning Wilts; Volkswirt; in Kooperation mit dem Promotionskolleg "Die politische Ökologie städtischer Infrastrukturen: Eine vergleichende Untersuchung von Ver‐ und Entsorgungssystemen in den Stadtregionen Frankfurt, Berlin und Ruhr" der Technische Universität Darmstadt; gefördert mit Mitteln der Hans-Böckler-Stiftung
Das Promotionskolleg ist Teil der Doktorand(inn)enausbildung des Wuppertal Instituts. Es wird von der Vera und Georg Spahn-Stiftung gefördert, in enger Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal durchgeführt und von Prof. Dr.-Ing. Oscar Reutter geleitet.
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