Michael Kuhndt, Burcu Tunçer, Kristian Snorre Andersen und Christa Liedtke Responsible Corporate Governance.
An Overview of Trends, Initiatives and State-of-the-art Elements.
Wuppertal Paper, Januar 2004.
Im Rahmen des Globalisierungsprozesses haben Liberalisierungsmaßnahmen auf den Finanzmärkten und im internationalen Handel im letzten Jahrzehnt zu einem erheblichen Anstieg unternehmerischer Tätigkeiten geführt. Eine Vielzahl transnational agierender Unternehmen operiert heute entlang globaler Produkt- und Zulieferketten, in denen Unternehmen und verschiedene soziale Akteure (z.B. Regierungen, Haushalte, NGOs, etc.) aus einer Vielzahl von Ländern miteinander interagieren. Neben den ökonomischen Tätigkeiten transnational operierender Unternehmen rücken zunehmend die ökologischen und sozialen Auswirkungen in das Betrachtungsfeld gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Verschiedene Anspruchsgruppen fordern zunehmend, dass Unternehmen allgemeingesellschaftliche Probleme reflektieren und einen pro-aktiven Beitrag zur Lösung sozialer und ökologischer Problemfelder leisten.
In diesem Wuppertal Papier von Michael Kuhndt, Burcu Tunçer, Kristian Snorre Andersen und Christa Liedtke wird das Konzept der "Responsible Corporate Governance" vorgestellt. Hierin wird analytisch untersucht, wie Unternehmen dazu in die Lage versetzt werden können, auf überprüfbare Art und Weise ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung nachzukommen. Dabei wird RCG als Interessensgruppen orientierter Politikansatz (stakeholder-oriented policy approach) verstanden, der einzelne Anspruchsgruppen eines Unternehmens zur Stärkung der Nachprüfbarkeit der unternehmerischen Verantwortlichkeit (corporate accountability) einbezieht. Es wird angenommen, dass in einer globalisierten Welt mit komplexen und vielschichtigen Ressourceninterdependenzen zwischen interagierenden Akteuren, wirtschaftliche, soziale und ökologische Probleme zunehmend nur durch kooperative Problemlösungsmechanismen gelöst werden können. Erfahrungen haben gezeigt, dass allein staatlich regulierte top-down Lösungsansätze in der Vergangenheit nicht immer zu erfolgreichen Ergebnissen geführt haben. RCG zielt daher auf eine bottom-up Lösungsstrategie, in der Verantwortlichkeit und Lösungskompetenz auf jeweils unterschiedliche Akteure und Anspruchsgruppen eines Unternehmens verteilt werden. In diesem akteursorientierten Netzwerkansatz wird RCG nicht als Substitution für gesetzlich verankerte Regulierungsmechanismen angesehen. Vielmehr handelt es sich um einen komplementär wirkenden Mechanismus, in dem einzelne Stakeholder eines Unternehmens befähigt werden, durch kollektive, lösungsorientierte Einflussnahme auf die Gestaltung, Implementierung und Überprüfbarkeit unternehmerischer Verantwortung einzuwirken.
>>> Weiterführende Literatur zum Thema "Responsible Corporate Governance"
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