Lena Partzsch
Öko-faire Preise im Welthandelsregime.
Wasser - natürliche Ressource, Handelsware und Menschenrecht.
Bericht aus dem Promotionskolleg, November 2007.
Marktmechanismen finden in der internationalen Umweltpolitik immer mehr Beachtung. Je knapper ein Gut wird, umso mehr gewinnt es an Wert. Preise für natürliche Ressourcen stehen jedoch im Spannungsverhältnis zwischen Ökologie und Fairness. So dient die Einführung von (höheren) Wasserpreisen auf der einen Seite dem Schutz der Umwelt, weil sie die Ressourcennachfrage verringern. Auf der anderen Seite drohen sie, arme Bevölkerungsgruppen von der Nutzung des "Lebensmittel Nr. 1" auszuschließen. Die Allokation von Wasser über Marktmechanismen kann somit im Widerspruch zum Menschenrecht auf Wasser stehen. Mit diesem vermeintlichen Antagonismus beschäftigt sich dieses Paper. Es kommt zu dem Ergebnis, dass Wasserpreise per se weder ökologisch noch fair sind. Nicht die Einführung von Preisen, sondern die Übernutzung und Verschmutzung der natürlichen Ressourcen belasten sowohl Ökologie als auch Fairness. Wasser wird weltweit unabhängig davon, ob es einen Preis erhält, zu Luxuszwecken (Golfplätze, Fünfsternehotels) verschwendet, während es armen und indigenen Bevölkerungsgruppen sowie dem natürlichen Ökosystem entzogen wird. Das meiste Wasser wird in der Landwirtschaft genutzt - oft zur Bewässerung von Cash Crops für den Export. Davon hat die lokale Bevölkerung wenig. Eine solche Form der Übernutzung ist deshalb nicht nur unökologisch, sondern auch unfair.
Die Debatte zur Kommodifizierung und Privatisierung von Wasser bezieht sich in erster Linie auf die Versorgung von Haushalten und klammert die Ressourcenübernutzung durch multinationale Konzerne im Welthandelsregime aus. Eine Unterscheidung zwischen direkter Nutzung im Haushalt und indirekten Wasserentnahmen, insbesondere für den Export, kann helfen, Wasserpreise fair und ökologisch sinnvoll anzulegen. Durch Ausgleichsmechanismen für den direkten Verbrauch im Haushalt, wie das Programm Free Basic Water (FBW), können zudem Preise für natürliche Ressourcen und soziale Dienstleistungen (Wasser, Strom und Nahrung) fair und sozial verträglich gestaltet werden.
>>> Weiterführende Literatur zum Thema Landuse & Livelihoods
>>> Informationen zum Promotionskolleg "Ökologie und Fairness im Welthandelsregime"
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