bild kowald bild kowald
logo
bild kowald
information
stoffströme
landuse
gerechtigkeit
leapfrogging
governance
links
literatur
impressum
contenttop

Das Projekt

Unter der Frage "Welche Globalisierung ist zukunftsfähig?" führte das Wuppertal Institut von 2002 bis 2005 ein Leitprojekt zum Thema Nachhaltigkeit und Globalisierung durch. Das Projekt sollte Beiträge zur wissenschaftlichen und öffentlichen Debatte über Gründe, Verlaufsformen, Folgen und zukunftsfähige Gestaltungsoptionen der wirtschaftlichen Globalisierung vorlegen. Das interdisziplinär angelegte Projekt involvierte ca. 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es führte die über die Jahre entwickelten thematischen Stärken unterschiedlichster Forschungsansätze des Wuppertal Instituts in einem neuen Problemhorizont zusammen und trägt somit zur innovativen Weiterentwicklung des Instituts bei.

Veröffentlichungen des Projekts

Die >>> Publikationen des Projekts umfassen eine Serie von über einem Dutzend Wuppertal Papers, die über die Jahre 2003 bis 2005 erschienen sind. Im Frühjahr 2005 ist das Buch "Fair Future" im Verlag C. H. Beck erschienen, welches die Ergebnisse der dreijährigen Forschungsphase in einem schlüssigen Werk bündelt. Seit Februar 2006 ist es auch in der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) erhältlich (www.bpb.de).

Forschungsthemen

Folgenden thematischen Feldern widmete sich das Projekt schwerpunktmäßig in fünf Arbeitsgruppen. Erstens sollte mit quantitativen Methoden die stoffliche Gestalt der wirtschaftlichen Globalisierung ermittelt werden. Dabei sollten globale Stoff- und Energieströme mitsamt ihren Flächenverbräuchen ("ökologischer Rucksack") in ihren Größenordnungen sowie in ihrer geografischen Verteilung dargestellt werden (>>> siehe Thema globale stoffströme & verkehr). Zweitens wurden daran angelehnt die Beziehungen zwischen Landnutzung und Lebensstilen erörtert, indem die Auswirkungen einer durch wirtschaftliche Globalisierung forcierten Flächennutzung auf lokale und marginale Gesellschaften, vorwiegend in Ländern des Südens, untersucht wurden (>>> siehe Thema landuse & livelihoods). Drittens wurden jene Leitbilder hinterfragt, welche gegenwärtig - explizit oder implizit - die Auseinandersetzung um die Gestaltung der Globalisierung durchziehen. Dabei wurde die Spannung zwischen den Idealen Wohlstand-Gerechtigkeit-Nachhaltigkeit konzeptualisiert und versucht, Ökologie als Kernkategorie eines kosmopolitischen (im Gegensatz zu neo-liberalen) Entwurfs der Globalisierung zu begründen (>>> siehe Thema gerechtigkeit & wohlstandsstile). Viertens wurden Entwicklungspfade zur Dematerialisierung der Wirtschaftstätigkeit, insbesondere für Entwicklungs- und Schwellenländer, skizziert. In Szenarien sollten Wege zu stofflich und energetisch nach-fossilen Ver- und Entsorgungssystemen entwickelt werden, die es südlichen Ländern erlauben würden, in einem ökologischen "Leapfrogging" den herkömmlich industriellen Entwicklungspfad hintersichzulassen (>>> siehe Thema leapfrogging & alternativen). Und fünftens hat das Projekt die Grundelemente einer ökologischen Governance für eine transnationale Ökonomie erarbeitet. Es geht hier besonders darum, wie der rechtliche Rahmen, die Akteure sowie die ökonomischen Rahmenbedingungen mit den Erfordernissen einer globalen Nachhaltigkeit in Einklang gebracht werden können (>>> siehe Thema sustainable governance).

Hintergrund zum Projekt

Das Thema "Nachhaltigkeit" ist seit dem Brundtlandt-Bericht (WCED 1987) und der Rio-Konferenz 1992 (UNCED) in unzähligen Publikationen aufgegriffen und weiter entwickelt worden. Auf internationaler politischer Ebene wurde die Bedeutung des Begriffs zuletzt im September 2002 mit dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD) in Johannesburg bestätigt. Dennoch ist es auf der ökologischen, aber noch mehr auf der sozialen und ökonomischen Ebene noch nicht gelungen, klare Leitideen und ein zielführendes Instrumentarium konsensual zu bestimmen. Es mangelt vor allem an einer integrierten Zusammenschau der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit, welche gesellschaftliche Akzeptanz finden und eine konzeptionelle Brücke zwischen strategischen Langfristplanungen und mittelfristigen Unternehmens- und Politikentscheidungen bilden könnte.
Während auf nationaler Ebene immerhin einige Studien vorliegen, welche die ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimensionen von Nachhaltigkeit berücksichtigen und sich um eine Operationalisierung bemühen, dominiert auf der internationalen Ebene derzeit eine kontroverse und vorwiegend auf sozioökonomische Themen ausgerichtete Diskussion unter dem Stichwort "Globalisierung". Kritiker wie Befürworter von Globalisierung haben es einerseits häufig versäumt, die ökologische Dimension von Globalisierung systematisch mit einzubinden. Andererseits ist der internationale Nachhaltigkeitsdiskurs in der Regel von den sozialen und ökonomischen Brennpunkten der Globalisierungsdiskussion weit entfernt. Die Themen einer "Ökologisierung der Globalisierung" wie auch einer "globalisierten Nachhaltigkeitsstrategie" werden bisher als Forschungsfragen nicht systematisch aufgegriffen.
Das Wuppertal Institut hat den Anspruch, zu dieser notwendigen Integrationsleistung einen Beitrag zu leisten. Daher wurde Ende 2001 ein Leitprojekt zum Thema "Welche Globalisierung ist zukunftsfähig?" initiiert, welches alle Abteilungen des Instituts integriert. Das Projekt versucht, eine zukunftsfähige Richtung der Globalisierung mithilfe von Szenarien, Leitideen und Umsetzungskonzepten auf Weltebene wie auch an nationalen Fallbeispielen zu operationalisieren. Es greift dabei Ideen, Konzepte und Methoden auf, mit denen das Wuppertal Institut weltweit bekannt geworden ist. Dazu gehören insbesondere die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland", "Faktor Vier", MIPS und international vergleichende Stoffstromuntersuchungen sowie das "Faktor-Vier"-Weltenergieszenario. Ziel des Projekts ist es, die Kompetenzen aus allen Abteilungen des Instituts in einem Forschungsrahmen zu einem gesellschaftlich umstrittenen, aber hoch aktuellen Thema zu bündeln und sowohl für Fachkreise als auch für die umwelt-, entwicklungs- und außenpolitisch aufgeschlossene Öffentlichkeit aufzuarbeiten.