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Justus von Geibler

Biomassezertifizierung unter Wachstumsdruck: Wie wirksam sind Nachhaltigkeitsstandards bei steigender Nachfrage?

Diskussion am Beispiel der Wertschöpfungskette Palmöl.

Bericht aus dem Promotionskolleg, November 2007.

Die globale Nachfrage nach Bioenergie lässt derzeit einen boomenden Biomassehandel mit weit reichenden ökologischen und sozialen Auswirkungen entstehen. Standards und deren Zertifizierung werden als viel versprechender Ansatz zur Sicherung der Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette gesehen. Inwieweit kann damit aber den unerwünschten Auswirkungen einer stark steigenden Nachfrage begegnet werden? Im vorliegenden Paper soll herausgearbeitet werden, unter welchen Voraussetzungen nichtstaatliche Nachhaltigkeitsstandards ein wirkungsvoller Ansatz zur Gestaltung einer nachhaltigen Wertschöpfungskette sein können. Am Beispiel des dynamischen Palmölhandels und der Standardsetzungsinitiative des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) wird untersucht, ob diese Voraussetzungen auch angesichts boomender Nachfrage erfüllt werden können.
Basierend auf dem Konzept der Wertschöpfungskette und einer Beschreibung zentraler ökologischer und sozialer Probleme wird eine Vision für eine nachhaltige Wertschöpfungskette über vier Leitbilder konkretisiert. Nur in den Wertschöpfungsketten, in denen eine umfassende Produkt- und Produktionsqualität gesichert, öko-faire Preise gezahlt und Entwicklungschancen eröffnet werden, kann innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Es werden die nichtstaatliche Standardsetzung und Zertifizierung als Teil der Governancestruktur der Wertschöpfungskette und als Ansatzpunkt zur Gestaltung nachhaltiger Wertschöpfungsketten dargestellt und Kriterien zu deren Wirksamkeit entwickelt. Anhand dieser Kriterien werden für das Fallbeispiel der Wertschöpfungskette des Palmöls die Stärken und Schwächen des RSPO dargestellt und im Lichte der boomenden Nachfrage nach Bioenergie diskutiert.
Am Beispiel des RSPO zeigen sich die Grenzen nichtstaatlicher Standardsetzung bei dynamischer Nachfragesteigerung. Die Standardsetzung auf Produktebene ist nur in beschränktem Maße effektiv, denn die verbesserten Nachhaltigkeitsbeiträge können durch Rebound- und Wachstumseffekte aufgehoben werden. Daher sind hohe Anforderungen an die Zertifizierung insbesondere hinsichtlich indirekter Flächennutzungskonkurrenzen zu stellen.

>>> Weiterführende Literatur zum Thema Landuse & Livelihoods

>>> Informationen zum Promotionskolleg "Ökologie und Fairness im Welthandelsregime"

  Biomassezertifizierung unter Wachstumsdruck