Auf dem Weltgipfel in Rio 1992 hatten sich die Regierungen darauf verständigt, "eine Veränderung auf nachhaltige Produktions- und Konsummuster hin zu fördern" (Agenda 21, 4.17). Zehn Jahre später musste die UN-Commission on Sustainable Development feststellen, dass sich "an den nichtnachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern, die die naturgegebenen Lebensgrundlagen gefährden, kaum etwas geändert hat" (Bericht "Implementing Agenda 21" von Januar 2002).
Daraufhin wurde in Johannesburg förmlich beschlossen, in 10-Jahres-Plänen "den Übergang zu nachhaltigen Konsum und Produktion zu beschleunigen" (Plan of Implementation, § 13).
Zwar gab und gibt es in der Produktion wichtige Nachhaltigkeitsfortschritte. Doch insgesamt ist die Nachfrage, auch und gerade nach ökologisch verbesserten Produkten (z.B. Autos mit Katalysator), schneller gestiegen als die Emissionen und Abfälle pro Produkt gedrosselt werden konnten ("Rebound-Effekt"). Das verweist auf eine Interdependenz zwischen Produktion und Konsum, die nicht genügend beachtet wird.
Ein integrierter Ansatz
Deshalb geht die Forschungsgruppe "Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren" davon aus, dass nachhaltigere Märkte und eine nachhaltigere Wirtschaftweise nur zustande kommen, wenn es gelingt, Produktions- und Konsummuster gemeinsam zu optimieren. Ein Zugang dazu besteht im Diskurs von Unternehmen und Stakeholdern, der zu einem integrierten nachhaltigkeitsorientierten Management von Produktion und Konsum beitragen kann. Ein zweiter Zugang besteht im Wirtschaften nach dem Vorbild der Natur, indem immer weniger Schadstoffe emittiert und immer mehr Abfälle in Rohstoffe zurückverwandelt und wiederverwertet werden. Die Voraussetzungen für die Optimierung von Produktion und Konsum werden in vier Forschungsfeldern untersucht:
- Produktkettenweites Nachhaltigkeitsmanagement
ist der Schlüssel für die meisten Anpassungsprobleme im Bereich der formellen (beruflichen), aber auch der informellen (häuslichen und bürgerschaftlichen) Wirtschaftstätigkeit. Vielfach fehlt das Wissen um die Abhängigkeiten und Verknüpfungen der ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Faktoren, die in langen, oft Kontinente übergreifenden Produktketten und Produktlebenszyklen die Nachhaltigkeit beeinflussen.
- Akteure und Bedürfnisfelder
werden analysiert, um die Bedingungen für nachhaltigeres Produzieren und Konsumieren besser beurteilen zu können. Dies betrifft sowohl die Organisations- und Kommunikationsstrukturen in Produktion und Konsum als auch die Bezüge zwischen diesen Bereichen, die Stoff- und Finanzströme. Dabei beleuchtet dieser Forschungsansatz besonders die Bedarfe, das Können und die Möglichkeiten der jeweiligen Akteure sowie die institutionellen Gegebenheiten und die Entwicklungstendenzen in einzelnen Bedürfnisfeldern.
- Government und Governance
sind Instrumente für Multi-Stakeholder-Strukturen, die die Entwicklung und Gestaltung von Technologiesprüngen und Nachhaltigkeitsfortschritten moderieren und das Zurückbleiben in einzelnen Bereichen verhindern. Ihre wissenschaftliche Entwicklung wird immer wichtiger, damit Barrieren gegen Nachhaltigkeitsfortschritte abgebaut werden und die Ausbreitung öko-effizienter Neuerungen erleichtert wird.
- Soziokulturelle Lebenswelten
entscheiden darüber, wie sich Handlungsmuster verändern, wenn in der Langfristperspektive der Übergang zu nachhaltigen Produktionsverfahren und Produkten eine Anpassung des Konsumverhaltens erfordert, die auch die zugrunde liegenden kulturellen Werte und Werteorientierungen beeinflusst. Zudem benötigen die Menschen veränderte Schlüsselkompetenzen und angepasste Organisationsstrukturen, um Produktketten im System nachhaltiger gestalten zu können. Daher sind Gegenstand der Forschung auch die Bildungsstrukturen und Bildungsinhalte der beteiligten Kulturkreise.
Die Arbeiten der FG4 strukturieren sich entlang von zwei Fokusthemen:
- Das erste Fokusthema Ressourcen und Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigt sich mit der Mikroebene, also den Akteuren, Prozessen und Organisations-/Managementstrukturen in den Wertschöpfungsketten (z. B. der Unternehmen, der Konsumenten) und den Bedarfsfeldern. Dazu gehören harte Produktlinienbezogene Stoffstromdaten genauso wie Produkt-Dienstleistungs-Systeme mit dem Fokus Business-to-Business (B2B) und Business-to-Consumer (B2C).
- Das zweite Fokusthema Veränderung von Handlungsmustern in Produktion und Konsum zielt auf die Mesoebene der Treiber von Veränderungen der Produktions- und Konsummuster. Veränderungen werden sowohl durch die Politik - z. B. Ressourcenpolitik für Unternehmen. Beschäftigungspolitik, Nachhaltige Konsumpolitik und integrierte Produktions-Konsum-Politiken - als auch über Bildung, Kommunikations- und Lernprozesse befördert und verankert.
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