Vision und Aufgabe
Jede gesellschaftliche und wirtschaftliche Aktivität ist mit dem Verbrauch natürlicher Ressourcen und damit Umweltbelastungen verbunden. Die in den Industrieländern entwickelten und sich über die Welt ausbreitenden Produktions- und Konsummuster sind mit einem hohen Ressourcen- und Flächenverbrauch verbunden. Die damit verbundenen Umwelt- und Klimabelastungen stoßen schon jetzt an die Grenzen der Tragekapazität des globalen Umweltraums. Das weltweite Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sind u. a. weitere Treiber dieses Trends.
Die Vision der Forschungsgruppe "Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren" (FG 4) ist es, durch eine nachhaltige Gestaltung der Wertschöpfungsketten in Produktion und Konsum den Ressourcenverbrauch der Industrieländer bei möglichst hoher Lebensqualität um den Faktor 10 zu reduzieren. Ihre langfristige forschungsleitende Vision ist eine "ressourcenleichte" Welt. Aufgabe der FG 4 ist es, dazu Strategien, Instrumente und Konzepte zu entwickeln, zu erproben und nutzbar zu machen. Ziel ist, die Handlungs- und Denkmuster in Unternehmen und Gesellschaft, in Produktion und Konsum in Richtung Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit verändern.
Forschungsfragen - Welche Ressourcenverbräuche sind mit spezifischen Technologien, Prozessen, Produkten und Dienstleistungen, Produktions- und Konsummustern verbunden? Welche Potenziale in Produktion und Konsum sind vorhanden, um geringen Naturverbrauch mit hoher Lebensqualität zu verbinden?
- Wie lassen sich Handlungs- und Denkmuster in Unternehmen und Gesellschaft im Sinne von Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit verändern und akteursorientiert gestalten? Wie lassen sich richtungssichere und für die Nutzenden/Umsetzenden akzeptable Veränderungsprozesse initiieren?
Forschungsansatz
Der Forschungsansatz ist integrativ, interdisziplinär, akteursorientiert und praxisbezogen. Die Forschung zielt auf die Analyse des Ressourcenverbrauchs und damit verbundene soziale, ökonomische und ökologische Effekte. Darauf basierend werden Fallstudien und Lösungsansätze entwickelt. Die FG 4 verfolgt hierbei integrative Ansätze, die Produktion und Konsum möglichst gleichermaßen und integriert abdecken. Denn nur so lässt sich die Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette erreichen ("von der Wiege bis zur Wiege"). Durch Integration von Ziel- und Anwendergruppen in die Forschungsprozesse erfolgt zum einen die Integration der Nutzerperspektive in das Forschungsdesign, zum anderen der zielgruppenorientierte Ergebnis-Transfer in die Praxis. Der Forschungsprozess umfasst Problemanalyse, Zielerarbeitung, Experimente (Fallstudien) und Evaluation/Lernen, wobei die einzelnen Schritte einer stetigen Rückkopplung mit der Praxis unterliegen ("Transitionszyklus" vgl. hierzu u.a. Loorbach 2007, Grin/Rotmans/Schot 2010).
Forschungsschwerpunkte
Bewertung der Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit von Wertschöpfungsketten - Analyse der Ressourcenverbräuche und Nachhaltigkeitsbewertung von Technologien, Produkten und Dienstleistungen sowie von Unternehmen/Branchen und Haushalten/Konsumentengruppen.
- Ermittlung der Potenziale zur Ressourceneffizienzsteigerung von technischen und sozialen Innovationen.
Gestaltung ressourceneffizienter und nachhaltiger Wertschöpfungsketten - Analyse und Entwicklung von Managementkonzepten und -instrumenten (Muster und Pfade in Unternehmen/Haushalten);
- Analyse und Entwicklung von Governance- und Politikstrukturen und -instrumenten (in den Bereichen Politik und Bildung), insbesondere Entwicklung von Forschungsansätzen und -infrastrukturen für nutzerintegrierte Produkt- und Dienstleistungssysteme.
Methoden
Die wichtigsten methodischen Ansätze basieren auf lebenszyklusweiten Stoffstromanalysen und darauf aufbauenden Potenzialanalysen und Nachhaltigkeitsbewertungen. Weitere Ansätze zielen auf die Gestaltung von Wertschöpfungsprozessen und beziehen sich auf verschiedene Wissenschaftsbereiche, insbesondere in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Für die Forschungsprozesse wird auf eine fokussierte und auf die Forschungsfragen zugeschnittene Anzahl von Methoden zurückgegriffen, von denen einige am Wuppertal Institut entwickelt wurden. Beispiele sind das MIPS-Konzept (Material-Input pro Service Einheit) zur Ermittlung der Ressourcenverbräuche sowie die Hot-Spot-Analyse zur Identifizierung von Nachhaltigkeitspotenzialen.
Transfer
Der Transfer der Forschungsergebnisse erfolgt in die Bereiche Politik (Entwicklung von Politikinstrumenten, integrierte Politik- sowie Governancekonzepte), Wirtschaft (Integration in Strategie-, Management-, Organisations-, Produkt- und Prozessentwicklung) sowie in den Bildungs- und Kommunikationsbereich (Entwicklung von Bildungs-, Kommunikationsstrategien, -konzepten und -modulen). |
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